Wundversorgung in der ambulanten Pflege
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Was die HKP-Richtlinie für den Pflegealltag bedeutet
3 Fragen an Vivien Novy, B.Sc. Pflege, Pflegedienstleitung bei ovital Pflege Dortmund GmbH & Co. KG
Die Versorgung chronischer Wunden zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der ambulanten Pflege. Gleichzeitig ist sie ein Bereich, der durch die Überarbeitung der HKP-Richtlinie stark in Bewegung geraten ist. Über die Herausforderungen und Chancen für die ambulante Wundversorgung haben wir mit Vivien Novy, Pflegedienstleitung bei ovital Pflege, gesprochen. Sie rezertifiziert ICW-Wundexperten – unter anderem zum Thema „Netzwerk ambulante Pflege“- und gibt uns ihre Perspektive aus der Praxis eines spezialisierten Leistungserbringers.
Frau Novy, welche Bedeutung hat die HKP-Richtlinie für die Wundversorgung?
Die HKP-Richtlinie definiert, unter welchen Voraussetzungen Wundversorgung als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet und erbracht werden kann. Neben der Differenzierung zwischen akuten und chronischen Wunden legt sie Wert auf:
- standardisierte Assessments und Verlaufsdokumentation,
- fachgerecht qualifiziertes Personal,
- leitlinienorientierte Durchführung,
- regelmäßige Evaluation der Maßnahmen,
- strukturierte Zusammenarbeit zwischen verordnendem Arzt und Pflegedienst.
Damit schafft die Richtlinie einen verbindlichen Rahmen, der Versorgungsqualität sichern soll, jedoch auch umfassende Anforderungen an die Strukturqualität der Pflegedienste stellt.
Welche strukturellen Anforderungen an ambulante Pflegedienste ergeben sich daraus?
Um die HKP Vorgaben zuverlässig zu erfüllen, müssen ambulante Pflegedienste ihre Struktur und Prozessqualität deutlich professionalisieren.
Das beginnt bei der Qualifikation der Mitarbeitenden: Wir brauchen Wundexpertinnen ICW®/DGfW oder Pflegefachpersonen mit einer vergleichbaren Zusatzqualifikation von 54 Unterrichtseinheiten. Zusätzlich absolvieren unsere Wundexpertinnen das Modul 1 des Fachtherapeuten mit 84 UE, und die Teamleitung benötigt mindestens 168 UE als Fachtherapeut nach ICW. Regelmäßige Schulungen für das gesamte Team sind dabei unverzichtbar.
Genauso wichtig sind eine kompetenzorientierte Aufgabenverteilung und die Einführung standardisierter Prozesse. Dazu gehören verbindliche Wundstandards, durchgängige Dokumentations- und Kommunikationswege – idealerweise digital –, sowie klare Schnittstellen zu Ärzt*innen und anderen Kooperationspartnern.
Auf organisationaler Ebene braucht es realistische Tourenpläne, die den Zeitbedarf komplexer Wunden berücksichtigen, eine wirtschaftliche Kalkulation trotz hoher Personalbindung und, wenn nötig, Individualverhandlungen bei erhöhtem Aufwand. Auch die Nutzung von Qualitätskennzahlen spielt eine immer größere Rolle.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Vernetzung: Der Aufbau regionaler Wundnetzwerke, die enge Zusammenarbeit mit Haus- und Fachärzt*innen sowie ambulanten Therapiepartnern und die abgestimmte Kommunikation mit dem Entlassungsmanagement der Krankenhäuser sind entscheidend.
Wenn all diese Anforderungen erfüllt werden, kann ein Pflegedienst eine Zusatzvereinbarung zur bestehenden Punktwertvergütung beantragen – das ermöglicht eine bessere Vergütung der Wundversorgung.
Welches Fazit ziehen Sie daraus?
Die HKP-Richtlinie setzt einen wichtigen Rahmen zur Qualitätssteigerung in der Versorgung chronischer Wunden. Gleichzeitig erhöht sie die Anforderungen an Fachkompetenz, Organisation und Zusammenarbeit in ambulanten Pflegediensten erheblich. Für eine nachhaltige, erfolgreiche Umsetzung braucht es qualifiziertes Personal, digitale und standardisierte Prozesse sowie eine enge interprofessionelle Vernetzung.
Ambulante Pflegedienste, die diese Strukturen aktiv entwickeln, können die Versorgung chronischer Wunden nicht nur effizienter gestalten, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Versorgungsqualität und Patientensicherheit im häuslichen Umfeld leisten.
Eine ausreichende Vergütung ist dadurch weiterhin nicht gegeben und eine Refinanzierung, um überhaupt allen Anforderungen gerecht werden zu können, gibt es nicht.
Sollte es dazu kommen, chronische Wunden allein durch spezialisierte Leistungserbringer versorgen zu lassen, wird es zu massiven Versorgungsengpässen kommen. Das Pausieren oder Einführen der Änderungen in Etappen ist dabei auch nicht zweckdienlich. Es verlagert das Problem lediglich zeitlich, weniger wird dafür gesorgt, es finanzierbar oder lukrativ zu gestalten.
Vielen Dank für das Gespräch!
Mehr über ovital Pflege erfahren Sie unter: https://ovital-pflege.de/
(AP-81386-DEU-DEU-v1)
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